Wertbung:

Kingdom Come Deliverance im Test.

Autor des Artikels: Steven Wilcken


Kingdom Come Deliverance im Test.

Wir haben von Deep Silver die Möglichkeit erhalten uns Kingdom Come Deliverance ganz in Ruhe anzuschauen. Erhalten haben wir die PS4 Fassung des Spiels. Kingdom Come ist dabei kein einfaches Spiel, dass von euch viel Abverlangt. Wenn ihr jedoch als Rollenspieler über euren Schatten springt, könnt ihr wirklich ein wunderbares Rollenspiel vorfinden! Mehr dazu im Test.

Eine Mittelalterliche Welt ohne Fantasy
Rollenspiele sind in Videogames meist an Herr der Ringe und co angelehnt. Drachen, Orks und andere Fantasy Wesen beherrschen die Welten und sorgen so für epische Schlachten unterschiedlichster Völker. Kingdom Come wollte hier genau entgegen wirken und ein möglichst Realitätsnahes Setting bieten. Angesiedelt im Mittelalter findet ihr so einfachste Lebensverhältnisse, alte Kulturen und einfachste technische Hilfsmittel welche das Leben damals bereichert haben.

Glücklicherweise waren die Entwickler allerdings sehr kreativ und haben Wege und Mechaniken gefunden, die sehr gut in ein Spiel passen, dass sich nicht auf solchen Bombast verlässt. Kingdom Come Deliverance lebt von seiner Story und konfrontiert uns mit so vielen Sequenzen, dass man hier schon fast annehmen könnte, man spielt eher ein Adventure als ein Rollenspiel.

Allerdings täuscht dies schnell, denn wer etwas länger spielt erkennt die tiefen Rollenspielsysteme die im Hintergrund des Spiels arbeiten.

Lernen durch Anwendung
Beispiele gefällig? Wir lernen nicht indem wir einfach stupide Erfahrung sammeln und diese nach Lust und Laune in Skillbäume versenken. In Kingdom Come Deliverance benötigt alles eine gewisse Vorbereitung, denn wir lernen durch Anwendung – alias Üben. Klauen wir viel werden wir ein geübter Schleicher und damit ein nützlicher Dieb. Kämpfen wir, steigern wir unsere Kampfskills, was vor allem in späteren Kämpfen ein großer Vorteil sein kann. Es gibt zahlreiche Fähigkeiten die wir auf diesen Wege ausbauen und verbessern können.

Neben dem Verbessern der eigenen Skills versuchen wir aber auch ständig in der Story weiter kommen. Sammeln und Jagen in den Wäldern alles was uns auf dem Weg begegnet, denn das wiederum gibt es Geld, was wir wieder in coole Ausrüstung und andere Highlights stecken können. Ihr seht – Rollenspielsysteme gibt es hier zu genüge.

Offene Welt mit viel Herz
Absolut bombastisch ist jedoch die offene Welt gelungen. Die ist nicht nur groß und bietet Entdeckern viel Stoff für Erkundungen. Jede Ecke hat so viel Details von den Entwicklern erhalten, dass ihr schon nach einigen Spielstunden damit beginnt, bestimmte Ecke mit Anekdoten und Details in Erinnerung zu halten. Das wiederum lässt euch diese Welt schnell heimisch erscheinen und es fühlt sich einfach nur gut an, durch diese Welt zu streifen.

Leider Abzüge in der B-Note
Bei all den Lob und den gelungenen Ideen und Spielsystemen, gibt es aber auch reichlich grund zur Kritik. So gibt es leider eine Menge von Fehlern die das Spiel noch durchzieht. Beispielsweise spielt die KI nicht immer mit. Gelegentlich werden Quests nicht richtig ausgelöst. Oft sehen wir NPC’s die mit der Wegfindung ihre Probleme haben und irgendwie durch die Welt buggen oder völlig verrückte Bewegungen machen.

In Dialogen sind die Gesichter Hölzern, in Kämpfen bewegt sich die Kamera so ruckartig, dass wir den Schlägen von Gegnern oft nicht richtig ausweichen können.

Richtig schlimm ist das momentane Speichersystem. Die grundlegende Idee der Entwickler war es, dass Spieler erleben sollten, dass negative Ergebnisse von Quests eben einfach passieren und dann so sind. Daher hat man kein eigenargierendes Speichersystem geschaffen, sondern nur sehr restrektives Speichern ermöglicht. Doof ist jedoch, wenn es dann Mal einen Fehler gibt oder wir spontan aus machen müssen und so eine halbe Stunde spielfortschritt verlieren. Die Liste an Verbesserungen sind lang.

Positiv bleibt aber auch hier zu erwähnen, dass die Jungs von Warhorse ein Studio sind, dass diese Kritik sehr ernst nimmt, bereits einige weitere Patches geliefert hat und weiter liefern wird, bis die schlimmsten Fehler beseitigt sind.

Technisches
Und bei all den Fehlern ist die Technik an sich wirklich grund solide. Abgesehen von den kleinen Schönheitspatzern wie die Hölzernen Gesichter, buggende NPC’s, etc – sieht die Welt von Kingdom Come Deliverance wirklich realistisch aus. Die Entwickler haben mit der Cry Engine ein wirkliches Meisterwerk erschaffen, dass sicherlich als Referenz für Mittelalterliche welten dienen wird.

Spieler dürfen darüber hinaus eine komplette deutsche Synchronisation erwarten, die ebenfalls sehr gut gelungen ist.

Fazit: Kingdom Come Deliverance ist kein Rollenspiel für jederman. Die Einstiegshürde ist riesig, da man als Spieler wirklich viel Verzeihen muss. Aber an alle überzeugten Rollenspieler oder aber auch Spieler, die junge unabhängige Studios unterstützen möchten, die noch Wert auf die Spielerschaft und nicht nur die Aktionäre legen, gebt Kingdom Come Deliverance eine Chance!

Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen, denn mit der Zeit lernt ihr diese Welt lieben und durchstreift Sie voller Überzeugung.

Kaufempfehlung: Probiert es aus!